Dieser Obstkern wird meist weggeworfen – doch ein Fehler verhindert, dass daraus eine Palme wird

Vom Dattelkern zur majestätischen Palme im eigenen Garten

Die Vorstellung klingt verlockend: Ein weggeworfener Dattelkern verwandelt sich in eine prächtige Palme, die eines Tages den Garten ziert. Viele deutsche Hobbygärtner halten diesen Traum für unerreichbar – ein Privileg der Wüstenoasen oder mediterranen Palmenhaine, weit entfernt von feuchten Wintern und Frostperioden. Tatsächlich zeigt sich die Dattelpalme jedoch zugänglicher als gedacht, sofern bestimmte präzise Regeln beachtet werden.

Bevor Sie mit dem Projekt beginnen, sollten Sie die künftige Größe von Phoenix dactylifera berücksichtigen. Nach mehreren Jahrzehnten kann die Palme über 24 Meter erreichen. Hinzu kommen ihr ausgeprägter Bedarf an Wärme, Sonnenlicht und einem Boden, der kein Wasser speichert. Zwischen klimatischen Grenzwerten und dem gefürchteten neuen Schädling – dem Roten Palmrüssler – erfordert die erfolgreiche Aufzucht einer Dattelpalme aus einem Kern durchdachte Strategie.

Klimatische Voraussetzungen für die Dattelpalme

In ihrer ursprünglichen Heimat gedeiht die Dattelpalme unter extrem heißen und trockenen Bedingungen. Gartenbau-Ratgeber empfehlen sie hauptsächlich für die Zonen 9 bis 11, wo Frost selten und kurz auftritt. In Deutschland betrifft dies vor allem geschützte Lagen entlang des Rheins und einige Mikroklimata mit milden Wintern.

Ein Gartenliebhaber aus Burgund berichtet von seinen Erfahrungen mit exotischen Pflanzen: "Ich habe zahlreiche Zitrusgewächse gepflanzt, etwa Mandarinenbäume, und sie entwickeln sich prächtig. Auch Olivenbäume, Kakteen und Feigenkakteen habe ich gesetzt. Diese Pflanzen findet man normalerweise im Mittelmeerraum, aber sie fühlen sich hier sehr wohl. Meine Feigenkakteen haben sogar begonnen, Früchte zu tragen – sie schmecken nach Erdbeeren."

Weiter berichtet er: "Das hier ist eine brasilianische Kokospalme, die weltweit größte ihrer Art. Sie verträgt Kälte gut, liebt aber auch Wärme. Als Kind hätte ich mir nie vorstellen können, solche Gewächse zu kultivieren. In den 80er Jahren bedeutete Winter noch Schnee und Eis – heute nicht mehr." Seine Experimente umfassen auch eine Aprikosen-Palme aus Mexiko, die tatsächlich Früchte mit einem Geschmack zwischen Banane und Mango hervorbringt. Dennoch: Die Dattelpalme etabliert sich nicht, da der burgundische Winter zu feucht bleibt.

Keimung des Dattelkerns – so funktioniert der Start

Der erste Schritt gestaltet sich unkompliziert: Entnehmen Sie den Dattelkern, entfernen Sie sämtliches Fruchtfleisch durch gründliches Waschen und lassen Sie ihn anschließend zwei bis drei Tage in klarem Wasser einweichen. Wechseln Sie das Wasser bei Bedarf täglich.

Bewahren Sie die Kerne danach in feuchtem Küchenpapier auf, das in einem Plastikbeutel verschlossen wird. Halten Sie alles warm und dunkel, erneuern Sie regelmäßig das Papier. Die Keimung beansprucht häufig sechs bis acht Wochen Geduld.

Einpflanzen und Schutz vor dem gefährlichen Palmenschädling

Sobald die junge Wurzel sichtbar wird, setzen Sie jeden Kern in einen kleinen Topf mit Drainagelöchern. Verwenden Sie ein gut durchlässiges Substrat und platzieren Sie den Topf in voller Sonne, bei Wärme und geschützt vor Frost.

In mediterranen Regionen müssen Sie zusätzlich den Roten Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) im Auge behalten. Dieser Schädling ist seit 2006 in mehreren europäischen Ländern präsent, und seine Bekämpfung ist gesetzlich vorgeschrieben. Verzichten Sie auf Rückschnitte zwischen März und Herbst. Pheromonfallen, Behandlungen mit Nematoden Steinernema carpocapsae oder dem Pilz Beauveria bassiana minimieren die Gefahr erheblich.

Der entscheidende Fehler, der viele Anzuchtversuche zum Scheitern bringt: Zu viel Feuchtigkeit während der Keimphase und ein zu kalter Standort. Ohne konstante Wärme zwischen 20 und 25 Grad Celsius fault der Kern, bevor er überhaupt keimen kann. Gleichzeitig braucht die junge Palme von Anfang an maximales Sonnenlicht – Halbschatten führt zu schwächlichem Wachstum.