Der Countdown läuft: Kommerzielle Raumstation nimmt Gestalt an
Während die Internationale Raumstation ISS in nur vier Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, nimmt das Rennen um ihren Nachfolger dramatisch an Fahrt auf. Die NASA steht kurz davor, einen oder möglicherweise zwei Auftragnehmer für ihr wegweisendes Programm auszuwählen. Im Wettbewerb stehen Voyager Technologies, Axiom Space, Blue Origin und Vast Space – letztere hat dabei einen erstaunlichen Vorsprung erzielt.
Max Haot, Geschäftsführer von Vast, bestätigt in einem ausführlichen Gespräch: Sein Unternehmen liegt in der Entwicklung deutlich vorne. Die Konkurrenz scheint bereits abgehängt.
Haven-1 durchläuft finale Montagephase vor historischem Start
Die kommerzielle Raumstation Haven-1 befindet sich bereits im Zusammenbau – ein Meilenstein, den kein Wettbewerber bisher erreicht hat. Ursprünglich für Mitte 2026 geplant, verschiebt sich der Starttermin nun auf das erste Quartal 2027.
Zur Terminverschiebung äußert sich Haot gelassen: „Wir bauen hier unsere allererste Raumstation und gehen mit maximaler Vorsicht vor, ohne dabei Geschwindigkeit zu opfern. Der neue Zeitplan ist realistisch und einzuhalten. Tatsächlich haben wir diese Planung schon länger verfolgt, völlig ohne Verzögerungen. Trotzdem liegen wir mindestens ein Jahr, wahrscheinlich zwei oder sogar mehr vor allen anderen.“
Ein entscheidender Vorteil: Haven-1 ist kompakter als konkurrierende Entwürfe und geradezu winzig im Vergleich zur ISS. Der Innenraum umfasst etwa 45 Kubikmeter – ein Bruchteil der 387 Kubikmeter der ISS. Haven-1 will die alte Station nicht eins zu eins ersetzen, sondern etwas völlig Neues demonstrieren: eine Raumstation der nächsten Generation, die menschliches Wohlbefinden und Komfort in den Mittelpunkt stellt, statt primär auf wissenschaftliche Experimente zu setzen.
SpaceX Dragon als Lebensader im All
Das Design sieht eine Zusammenarbeit mit SpaceX vor: Eine Dragon-Kapsel übernimmt den Großteil der lebenserhaltenden Systeme. Diese Konfiguration ermöglicht Missionen mit vierköpfigen Crews über mehrere Wochen. Der Startplan sieht zunächst 30-tägige Aufenthalte vor, die schrittweise ausgedehnt werden sollen.
Die langfristige Vision der NASA geht noch weiter: Diese kommerziellen Raumstationen sollen zu dauerhaften Lebensräumen für Menschen im Orbit werden.
Haven-1 hat kürzlich entscheidende Entwicklungsmeilensteine gemeistert. Die Hauptstruktur steht bereits vollständig, und Teile der Sekundärstruktur haben alle Abnahmetests bestanden – ein klares Signal, dass die Zertifizierung für den Start auf gutem Weg ist.
Integration im Reinraum läuft auf Hochtouren
„Wir starten jetzt die Integration in der Reinraumkammer, beginnend mit dem TCS (thermisches Kontrollsystem), gefolgt von Antrieb, Innenwänden und dann der Avionik. Die finale Versiegelung planen wir für den Herbst. Anschließend steht mit der NASA ein umfassendes Testprogramm Ende des Jahres in Plum Brook an. Danach erfolgt der Start im ersten Quartal des nächsten Jahres„, erläutert Haot die nächsten Schritte.
Zum Zeitpunkt der Startbereitschaft wird Haven-1 unbemannt auf einer Falcon 9-Rakete ins All befördert. Vast plant zunächst eine gründliche Validierung der Habitatsicherheit während einer 30-tägigen unbemannten Testphase, bevor die erste vierköpfige Crew zum Modultest entsandt wird.
SpaceX entscheidet über bemannten Erstflug
Wann genau Menschen Haven-1 betreten werden, bleibt vorerst offen. Haot macht deutlich: Die Entscheidung liegt maßgeblich bei SpaceX und deren Bewertung der Andockmanöver-Sicherheit.
„Wenn sie mit den Daten zufrieden sind, die wir ihnen liefern, schicken sie eine vollständig ausgebildete Crew an Bord einer Dragon-Kapsel zu uns hinauf. Das könnte schon in zwei Wochen geschehen – oder auch erst in drei Jahren, was für Haven-1 eine Ewigkeit wäre“, erklärt er abschließend.










